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Homeoffice kann Wohnungsmärkte entlasten

Warum in der teuren Stadt wohnen, wenn man ohnehin immer öfter von zu Hause arbeitet? Der Trend zum Homeoffice könnte das Wohnen im Umland attraktiver machen, meinen Ökonomen. Das trifft aber nicht auf alle Städte zu.

Der Trend zum Homeoffice kann Immobilienexperten zufolge die Wohnungsmärkte in Großstädten entlasten und eine Chance für das Umland sein. 

„Mit dem Arbeiten von Zuhause könnte ein größerer Umkreis um die Metropolen attraktiv werden“, sagte Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Wer nur zwei Mal die Woche ins Büro kommen müsse, könne auch weitere Wege zum Pendeln in Kauf nehmen.

Das Homeoffice sei daher auch eine Chance für ländliche Regionen. Die Menschen bräuchten dort aber eine gute Infrastruktur mit Schulen, Kitas, schnellem Internet und auch etwas Kulturangebot. „Die Wohnungsmärkte sind schon sehr auf die Metropolen konzentriert“, sagte Vogtländer. Er erwarte zwar keinen Ansturm auf das Land. Die Ballungsräume blieben attraktiv, da Dienstleistungsjobs in den Städten entstünden und Hochqualifizierte anzögen. „Das Einzugsgebiet der Metropolen könnte sich aber erweitern.“ In der Folge könnten sich die Preisanstiege bei Immobilien in Großstädten verlangsamen.

Homeoffice und Onlinekonferenzen dürften auch nach der Corona-Krise die Arbeitswelt prägen. 73 Prozent der Firmen, die in der Pandemie verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause setzen, planen künftig mehr davon anzubieten, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter knapp 800 Personalleitern ergab. Die Ökonomen sprachen von einem Durchbruch.

Eine dauerhafte Zunahme des Homeoffice könnte die Wohnungsnachfrage verändern, analysierte jüngst auch der Immobilienspezialist JLL. Bei einer großen Wohnkostenbelastung in der Stadt und einem hohem Preisgefälle zum Umland würden angrenzende Regionen attraktiver. „Damit könnten die Kosten einer erhöhten Pendelzeit aufgewogen werden“, schrieb JLL-Experte Helge Scheunemann. Zumal sich mit der Corona-Krise Wohnwünsche ändern dürften: 

Etwa das Bedürfnis nach einem Arbeitszimmer, Garten oder Balkon und generell mehr Platz.

Wo sich die Wohnungsnachfrage um Städte besonders ausdehne, hängt laut JLL neben dem Preisgefälle und der Verkehrsanbindung auch von der Branchenstruktur ab: Bürojobs lassen sich leicht im Homeoffice erledigen, während in der Produktion Anwesenheit erforderlich bleibt. Angesichts des hohen Anteils an Büro- und Dienstleistungsjobs gebe es viel Potenzial für eine Verschiebung der Wohnungsnachfrage in München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Darmstadt. Auch regionale Oberzentren wie Münster, Jena und Dresden hätten gute Bedingungen.

Mit der Corona-Krise waren Firmen gezwungen, Homeoffice über Nacht im großen Stil einzuführen – ein Novum in Deutschland, wo Präsenz im Büro eine große Rolle spielt. Durchschnittlich leisteten sozialversicherungspflichtige Beschäftigte 2018 erst rund 11 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice, errechnete das IW. Doch Arbeitgeber und Beschäftigten hätten nun gemerkt, dass es relativ gut funktioniere, sagte Experte Voigtländer. Zudem biete Homeoffice Sparmöglichkeiten. „Das ist natürlich verführerisch für Unternehmen.“

Große Konzerne haben das Potenzial schon erkannt: Siemens hat es zum weltweiten Standard gemacht, dass gut 140.000 Mitarbeiter an zwei bis drei Tagen pro Woche mobil arbeiten können. Und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sagte bei der Hauptversammlung, man müsse sich fragen, ob man den Beschäftigten nicht mehr Flexibilität gebe, um von zu Hause zu arbeiten, wenn sie das wollen – und ob die Bank noch so viel Büroraum in teuren Metropolen brauche.

Denn feste Arbeitsplätze im Büro sind teuer, wie die DZ Bank jüngst errechnete. Demnach kostete 2019 ein Quadratmeter Bürofläche in den sieben größten Städten Deutschlands zwischen 18 und 25 Euro Monatsmiete inklusive Nebenkosten. Bei im Schnitt 30 Quadratmetern für einen Beschäftigten würden für einen Arbeitsplatz damit jährlich 6500 bis 9000 Euro fällig. Für Spitzenlagen in Berlin, Frankfurt oder München sind es demnach sogar mehr als 15.000 Euro.

Obendrein stehen Büros oft leer – an Wochenenden, aber auch wegen Urlaub, Krankheit, Dienstreisen, Homeoffice-Tagen und Teilzeitverträgen. Nur in 190 Tagen im Jahr würden die Schreibtische im Schnitt genutzt, so die DZ Bank. Wenn Firmen sparen wollten, dann rechneten sich weniger feste Büroplätze. Für Beschäftigte hieße das: Arbeitsmaterial und Persönliches wie Familienfotos am Ende des Tages abräumen und den Schreibtisch für Kollegen frei machen.

Sind Büros also ein Auslaufmodell? Wenn sich Homeoffice durchsetze, bräuchten die Menschen Platz für ein Arbeitszimmer, gibt Voigtländer zu bedenken. „Das schmälert die Vorteile niedrigerer Mieten oder Kaufpreise auf dem Land.“ Auch für Firmen habe das Homeoffice nicht nur Vorteile. „Der persönliche Kontakt im Büro stiftet Gemeinsinn und Identifikation mit der Firma.“ Zudem könne nicht jeder gut zu Hause arbeiten, und neue Mitarbeiter bräuchten die Einarbeitung vor Ort.

Firmen müssten für Kosten des Homeoffice aufkommen – steuerlich ist der Abzug bisher nur in engen Grenzen möglich. „Wahrscheinlich werden wir nicht alle für immer zu Hause arbeiten“, sagte Voigtländer. „Aber es dürfte eine neue Balance zwischen Arbeiten und Wohnen geben.“

© dpa-infocom, dpa:200824-99-281597/3

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Immobilien-Wahnsinn dauert noch Jahre: Bis 2030 steigen Kaufpreise weiter an

Kein Preisstopp bei Immobilien in Sicht: Laut einer Analyse des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) steigen die Preise für Immobilien auch in den kommenden Jahren vielerorts weiter an.

„In mehr als der Hälfte der 401 deutschen Kreise und Städte können Wohnungsbesitzer damit rechnen, dass ihre Immobilie bis mindestens 2030 real an Wert gewinnt“, zitiert die „Welt am Sonntag“ aus einer Mitteilung der Postbank, in deren Auftrag das HWWI die Studie verfasst hat.

Am stärksten würden die Preise in bayerischen Landkreisen rund um München anziehen, darunter Ebersberg, Landsberg am Lech, Erding, Dachau und Starnberg. Auch in München selbst soll es noch um 1,7 Prozent pro Jahr noch oben gehen.

Jährlich mehr als ein Prozent in Großstädten und Metropolen

„Außerhalb Bayerns weist der Landkreis Cloppenburg kräftige jährliche Steigerungsraten von plus zwei Prozent auf“, heißt es in der Analyse weiter. Jährliche Preissteigerungen von mehr als einem Prozent seien auch in den Großstädten

  • Heilbronn,
  • Potsdam,
  • Leipzig,
  • Freiburg im Breisgau,
  • Münster,

Die größeren Metropolen und Ballungsräume würden auch weiterhin wachsen, die Nachfrage nach Wohnraum dort deshalb hoch bleiben, so die Experten. In Düsseldorf liege das durchschnittliche jährliche Preiswachstum voraussichtlich bei 1,2 Prozent, in Köln bei 1,1 Prozent. Für Berlin und Hamburg werden jeweils rund ein Prozent erwartet, für Frankfurt nur noch 0,8 Prozent.

Immobilien: Preisrückgang in ländlichen Regionen im Osten

In vielen ländlichen Regionen im Osten müsse hingegen mit Preisstillstand oder -rückgängen gerechnet werden.

Das HWWI legte für die Analyse die demografische Entwicklung und wichtige Wirtschaftsdaten zugrunde. Die Daten für die Berechnungen wurden vor der Corona-Pandemie erhoben. „Die Prognose dürfte aber weitgehend stabil sein“, schreibt die Postbank nach Angaben der Zeitung.

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Bundesregierung sagt Geldwäschern auf dem Immobilienmarkt den Kampf an

Deutschlands Immobilienmarkt ist ein Einfallstor für Geldwäsche – auch weil Notare zu selten Verdachtsfälle melden. Eine Verordnung soll das nun ändern.

Berlin Der deutsche Immobilienmarkt sei ein Tummelplatz für „Schwerkriminelle und Korrupte“, moniert die Antikorruptionsorganisation Transparency International. Und die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Paus, rügte kürzlich, dass Hauskäufe „mit dem Bargeldkoffer“ in Deutschland immer noch möglich seien.

Tatsächlich gilt die Immobilienbranche in Deutschland als besonders anfällig für Geldwäsche. Kriminelle schleusen jährlich 20 bis 30 Milliarden illegal erwirtschafteter Euro allein in den Nicht-Finanzsektor, zu dem auch der Immobilienbereich gehört, heißt es in einer für das Bundesfinanzministerium erstellten Studie. Das Geld stammt beispielsweise aus dem Drogengeschäft – und findet etwa durch den Kauf einer Immobilie den Weg in den legalen Geldkreislauf.

Die Bundesregierung zieht nun Konsequenzen. „Der deutsche Immobiliensektor bildet einen besonderen Schwerpunkt bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, heißt es im Bundesfinanzministerium. Als ein wichtiges Instrument gilt dabei eine neue Verordnung, mit der die Bundesregierung „rechtsberatende Berufsträger“ wie Notare und Rechtsanwälte stärker in die Pflicht nehmen will.

Sie sollen künftig stärker auf potenzielle Geldwäscherisiken im Immobilienbereichhinweisen, ohne ihre beruflichen Verschwiegenheitspflichten zu verletzen. „Auf Grundlage der Verordnung werden wesentlich mehr Verdachtsmeldungen der rechtsberatenden Berufsträger wegen möglicher Geldwäschezusammenhänge erwartet als in der Vergangenheit“, erhofft sich das Bundesfinanzministerium.

Bei Verdachtsmeldungen kommt die Financial Intelligence Unit (FIU), die Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes, ins Spiel. Gibt es bei finanziellen Transaktionen die Vermutung, dass Geldwäsche eine Rolle spielen könnte, muss diese bei der FIU gemeldet werden.

Das betrifft den Finanzbereich, also beispielsweise Banken und Versicherer, aber auch den sogenannten Nicht-Finanzbereich wie Antiquitätenhändler, Autohändler, Juweliere, Rechtsanwälte oder Notare. Letztere haben eine wichtige Aufgabe im Immobilienbereich, schließlich muss der Kauf und Verkauf von Wohnungen, Häusern oder Grundstücken von Notaren beurkundet werden.

Doch der jüngste FIU-Jahresbericht belegt erneut die Zurückhaltung der Notare. Von knapp 115.000 Verdachtsmeldungen insgesamt entfielen gut 112.400 auf den Finanzsektor, gut 1500 auf den sogenannten Nicht-Finanzsektor. Lediglich 17 Meldungen kamen dabei von Notaren. Auch wenn sich diese im Vergleich zum Vorjahr verdoppelten – es gibt noch Luft nach oben.

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Wohnungen und Häuser sind trotz Corona-Krise teurer geworden

Die Corona-Krise hat dem Immobilienboom bislang kaum etwas anhaben können. Die Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland stiegen von April bis Juni weiter an. Dafür gibt es gleich zwei Gründe. 

Trotz Corona-Krise haben sich Immobilien in Deutschland im zweiten Quartal weiter verteuert. Die Preise für Wohnungen und Häuser lagen von April bis Juni durchschnittlich 5,6 Prozent höher als im Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Auch im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres seien die Preise um 1,4 Prozent gestiegen.

Damit bewegten sich die Zuwächse im Bereich der vorhergehenden Quartale, erklärten die Wiesbadener Statistiker. Jedoch handle es sich um eine Schnellschätzung, die mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sei. Die Analyse sei bereits jetzt veröffentlicht worden, da ein großes Interesse an möglichen Auswirkungen der Pandemie auf den Immobilienmarkt bestanden habe. Regionale Ergebnisse für das zweite Quartal sollen wie geplant in rund einem Monat verkündet werden.

Corona-Lockdown ließ Zahl der Wohnungsanzeigen einbrechen

Die Corona-Pandemie wirkt sich in Deutschland seit dem Frühjahr aus und schlug im Sommerquartal voll auf die Wirtschaft durch. Manche Ökonomen hatten daher mit einem kräftigen Dämpfer am Wohnungsmarkt gerechnet und sinkende Immobilienpreise erwartet. Die Zahl der Wohnungsanzeigen war im Lockdown um bis zu 40 Prozent eingebrochen.

Kurzarbeit, sinkende Einkommen und steigende Arbeitslosigkeit in der Corona-Krise belasten die finanzielle Lage vieler Menschen, was den Spielraum für Immobilienkäufe begrenzt. Auf der anderen Seite suchen viele Investoren angesichts heftig schwankender Börsen Sicherheit in Immobilien, und die Niedrigzinsen machen Kredite weiter günstig.

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Bevölkerungsentwicklung: Peine und Braunschweig gewinnen, Salzgitter und Goslar verlieren

Insgesamt gab es laut Landesamt für Statistik Ende 2019 fast 8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in Niedersachsen.

Region. Im Jahr 2019 stieg die Bevölkerungszahl in Niedersachsen um 11.160 oder 0,1 Prozent auf gut 7,99 Millionen. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, fiel die Zunahme damit deutlich geringer aus als im Jahr 2018 (+19.673 Personen). Das Geburtendefizit (-20.970 Personen) wurde durch einen Wanderungsgewinn (+35.029 Personen) mehr als ausgeglichen. In unserer Region zeigt sich ein differenziertes Bild. Prozentual stieg die Bevölkerungszahl am meisten im Landkreis Peine und in der Stadt Braunschweig, den größten Rückgang verzeichnete die Stadt Salzgitter und der Landkreis Goslar.

Die bevölkerungsreichste Gebietskörperschaft in unserer Region ist mit Abstand die Stadt Braunschweig. Mit 249.406 Einwohnern zum 31. Dezember 2019 (Vorjahr: 248.292) konnte der Wert um 0,45 Prozent gesteigert werden. Mit 0,62 Prozent war der Anstieg im Landkreis Peine sogar noch höher. Dort wohnen nun 134.801 (133.965) Menschen. Ebenfalls gewachsen ist die Bevölkerungszahl im Landkreis Gifhorn mit 176.523 (175.920) Einwohnern (+0,34 Prozent) und in der Stadt Wolfsburg mit 124.371 (124.151) Einwohnern (+0,18 Prozent). Weitgehend gleich geblieben ist der Wert im Landkreis Helmstedt. Um genau zehn Einwohner (-0,01 Prozent) ging die Zahl auf 91.297 (91.307) Einwohner zurück. Der Landkreis Wolfenbüttel verzeichnete einen Rückgang auf 119.622 (119.960) Einwohner (-0,28 Prozent). Noch mehr Bewohner verließen den Landkreis Goslar, nun 136.292 (137.014) Personen (-0,53 Prozent) und die Stadt Salzgitter, in der jetzt 104.291 (104.948) Menschen wohnen (-0,63 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Einwohner sind Frauen

Niedersachsenweit verloren nur die Stadt Göttingen (-0,74 Prozent) und der Landkreis Holzminden (-0,73 Prozent) prozentual mehr Einwohner als Salzgitter. Die höchsten Zunahmen der Bevölkerungszahlen wurden für die Landkreise Vechta (+0,86 Prozent), Cloppenburg (+0,79 Prozent) und Stade (+0,69 Prozent) registriert. Der Anteil der Frauen an der Bevölkerung betrug landesweit 50,6 Prozent. Knapp 9,7 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in Niedersachsen besaßen keine deutsche Staatsangehörigkeit.